Der achte Akustikabend Vorwort: Ich (Hanno) glaube, dass ich mit 80 Jahren noch einer der Mitorganisatoren des Akustikabends sein werde. Denn der Akustikabend ist so etwas wie eine Droge für mich – so eine harmlose… klar, eine, die die Welt nur besser macht – und sie besteht aus folgenden Inhaltsstoffen: eine Unmenge Freunde, mit denen man etwas Großes auf die Beine stellt, grandiose Musiker, helfende Hände, die sich freiwillig anbieten so weit das Auge reicht, eine Riesenportion Herzblut, Begeisterungsfähigkeit, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit. Und dazu gibt es eine Messerspitze Willen, sich jedes Jahr zu überbieten. Natürlich bringt der Akustikabend wie jede Droge auch die ein oder andere durchgemachte Nacht mit sich. Aber für all die Unannehmlichkeiten wurde ich bisher immer wieder entlohnt. So auch in diesem Jahr.
Vorbereitung: In diesem Jahr wagten wir mit dem Akustikabend den Umzug von der Aula des Worbiser Gymnasiums in den Festsaal in Kirchworbis. Auf der einen Seite bedeutete dies, dass wir ca. 100 Gästen mehr Platz bieten konnten. Andererseits war der Saal und dessen zu gestaltende Architektur Neuland für uns. Kannten wir die Aula wie unsere Westentasche, verlangte der Festsaal einiges an Anpassungs- und kreatives Gestaltungsvermögen. So packten wir es an.
Die Technik war nach einigem Hin und Her auf der Empore untergebracht. Das ermöglichte nicht nur ein wunderbares Mischen des Tons von unserem Herrn der Technik – Mirko Ertmer – sondern bot auch allen von oben einen perfekten Überblick über die Räumlichkeiten. Raumökonomisch war dies auch ein kluger Schachzug, denn wir mussten ja auch noch irgendwie die 430 Stühle im Saal unterbringen, auf denen unsere Besucher Platz nehmen sollten. Die Helfer gaben ihr bestes und nach nicht allzu langer Zeit, war Stuhlreihe um Stuhlreihe zu bewundern. Miriam Burghardt kämpfte sich bravourös durch die Tücken der Lichttechnik, Daniel Diegmann installierte seine Fotoausstellung, die Sitzkarten wurden verteilt, Getränke kaltgestellt und und und…
Der achte Akustikabend konnte Einzug halten in diese Hallen!
Doch Halt! Bevor es losging, standen am Samstag noch die obligatorischen Soundchecks der vielen Musiker an. Ein Lob an dieser Stelle noch einmal für Mirko Ertmer, der nicht nur hier, sondern am gesamten Wochenende seinen Mann stand und einen zauberhaften Bühnensound produzierte.
Intro / Sven Tasch: Lina EST: Um 20:10 Uhr wurde es still und dunkel im Saal zu Kirchworbis. Nur Videoprojektionen an den Wänden des Saals spenden Licht. Zu sehen ist ein fahrendes Auto. Im Zeitraffer rast es durch die Nacht. Eine Stimme durchdringt die Stille: „Wir sind Reisende, immer auf der Suche nach einem Ort, der uns zur Ruhe kommen lässt. Doch es gibt einen Ort in dieser Welt, an dem wir zu Hause sind. An dem wir jemandem in die Augen schauen und wissen, wir sind angekommen.“ Der Bilder an den Wänden zeigen ein kleines Kind: Lina – meine Tochter. Ich beginne mit einem Klavierstück, das ich eigens für sie schrieb. Ruhe, Melancholie, Nachdenklichkeit. Lina est!
Johannes Vogt: Erfurt, Berlin, Worbis: Die Reise geht weiter. Als nächstes betritt der Altmeister des Akustikabends Johannes Vogt die Bühne. „Hannes“ ist ja vor allem für seinen jazzigen Stil bekannt. Aber er kann auch anders. Mit einem sehr ruhigen, besinnlichen Klavierstück, das sehr, sehr bewegende Passagen beinhaltete, sorgte er für die eine oder andere Gänsehaut im Saal. Traut man ihm gar nicht so zu, wenn man ihn kennt… Oder doch!?
Lorenza Wand: Begrüßung: Wie schon im letzten Jahr führte Lorenza Wand durch das Programm. In ihrem gewohnt lockeren und witzigen Auftreten stellte sie kurz den Verein art.tack global e.V. und den Spendenhintergrund dieses Jahres vor. Der Erlös des achten Akustikabends ging in diesem Jahr an die Govinda Entwicklungshilfe. Näheres dazu finden Sie in der Rubrik: „Hilfsprojekte“.
Die anonymen Saxophoniker: Leinefelder Klangräume / Hit me: Das Saxephonquintett um Wolfgang Busse war schon im letzten Jahr beim Akustikabend vertreten. Dieses Jahr zeigte man - unter ungewohntem, neuem Namen - dem Publikum wie viel Spaß Jazz, Blues und Salsa auf fünf Saxophonen machen kann. Auch ein besinnlicher Song wurde präsentiert Das Saxophonqintett hat deutschlandweit schon einige Preise abgeräumt, und wir freuen uns in jedem Jahr wieder, dass sie den Akustikabend bereichern.
Lisatin: Sterne / Vorbei / Zusammen sein: Auf Lisatin sind wir im letzten Jahr aufmerksam geworden. Das Duo um Frank Piesche und Claudia Foltys wurde vom „John Lennon Talent Award“ gefördert und trainiert. Man merkt ihnen ihr Professionalität, aber auch die Liebe zur Musik an. Claudias einzigartiger Gesang harmoniert auf das vortrefflichste mit Franks Klavierspiel und beides wiederum mit dem Akustikabend. Sicher, auch in diesem Jahr waren die beiden Musiker ein Highlight des Abends.
Godi: April Musik / Eule + Prinz: Leider namentlich auf dem Programm falsch erwähnt, trat Godi zum ersten Mal als Sologitarrist beim Akustikabend auf. Als er begann, seine Gitarre zu spielen, stockte Frank und mir der Atem. Ich habe kaum einen besseren Gitarristen gesehen und gehört – und dabei spreche ich aus reicher Erfahrung. Ich glaube, der Godi geht mit seiner Gitarre ins Bett. Das zweite von ihm präsentierte Stück war eine Adaption von Svobodas „Eule und Prinz“, bekannt aus dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.
Lorenza Wand und Daniel Diegmann / Message in a Bottle: Der letzte Song vor der Pause trug den Namen „Message in a bottle“. Er wurde „live“ in der Toilette des Veranstaltungsortes gespielt und in den Festsaal zu den Zuschauern via Videokonferenz übertragen. Ein besonderes Stück Musik an einem besonders stillen Örtchen. Daniel begleitete Lorenza allein am Bass. Manch ein Zuschauer erhob den Einwand, der Auftritt wäre nicht live gewesen, sondern aufgezeichnet… Wer kommt denn darauf, dass wir hier schummeln wollten!? J
Monebone + Tollis (Begleitband): Tausend Wege / Optimal / Tu`s doch: Neu und zum ersten Mal beim Akustikabend war die Funkcombo Monebone aus Jena. Die Band um die Sängerin Simone Oswald sieht sich als Projekt. Der Name der Begleitband „Tollis“ setzt sich aus den Namen der drei Mitglieder „ein Torsten und zwei Ollis“ zusammen. Der Bandname Monebone wird vom Spitznamen der Sängerin Simone abgeleitet. Erwähnenswert ist außerdem, das Monebone ein eigenes Musikvideo produziert haben, mit dem sie bereits Preisträger beim „Local Movies Award“ wurden. Monebone eine mehr als nur sympathische Band! Für den Akustikabend arrangierten die Musiker drei Funksongs um für akustische Instrumente.
Martin Kohlstedt: Barfuss / Crossing Paralles: Martin, auch ein neues Gesicht beim Akustikabend, brachte mit seinem Klavierspiel das ein oder andere musikalische Herz in Erregung. Seine sanften Anschläge am Klavier waren zum Teil kaum hörbar und sein tiefes Klavierspiel regte mich zum Nachdenken an. Martin kann ohne weiteres als neue Perle des Akustikabends firmieren.
Johannes Vogt: Die drei ??: Ein Hannes-typisches Klavierstück. Jazzig, eingängig und zum mitgrooven. Hannes like!
Lydia Schäfer, Frank Heerwig, Johannes Vogt: Cold Night: Lydia, auch ein bekanntes Gesicht, war bei den letzten Akustikabenden nicht vertreten. Die Sängerin der Band „Shapes“ stellte den jazzigen Song „Cold Night“ vor. Dabei wurde das Publikum mit einbezogen. Lustig war auch ein spontaner Auftritt von allen Musikern im Backstageraum, die fleißig den Backroundgesang übernahmen.
Jugendchor Birkungen, Robert Fiedler & Daniel Diegmann: Tanz den Brahms / Serenade: Unsere zwei Gitarreros wissen jedes Jahr noch einen draufzusetzten. Letztes Jahr noch mit düsteren brasilanischen Klängen, wagten sie sich dieses Jahr an die Klassik heran. Ein Stück von Brahms wurde auf Gitarre und Bass umgesetzt. Beim zweiten Song kam sogar der Birkunger Jugendchor mit dem Song „Serenade“ zum Einsatz.
Vorstellung Govinda Entwicklungshilfe: Im Anschluss an Robert und Daniel trat Rocco Umbescheidt, Vorstandsvorsitzender von der Govinda Entwicklungshilfe an das Mikrofon. Er berichtete von der Arbeit des Vereins in Nepal und warb für Engagement jedes Einzelnen für eine gerechtere Welt. Wir sind glücklich darüber, Govinda beim Achten Akustikabend mit in das Boot geholt zu haben. Ihre Arbeit ist mehr als vorbildlich und ist auch für uns selbst immer wieder herausragendes Beispiel für die Übernahme weltbürgerlicher Verantwortung.
Claudia Ziegenfuß + Robert Fiedler + Sven Tasch: Andar Amogos / Touth Document (Feist): Unsere Claudia war ja letztes Jahr in Spanien und brachte gleich einen beschwingten Song mit: in Stück auf der Gitarre, das nach Sonne und Meer klang. Etwas für die gute Laune bei diesem kalten Wetter. Was würde nach diesem Song besser passen, als das französische Stück von Feist „Tout Document“. Wie in jedem Jahr konnte Claudi mit ihren Charme und ihrer Stimme begeistern.
(Zugabe1): Marvin Gaye: I heard it through the grapevine:
Die erste Zugabe des Abends – nachdem der tosende Applaus kein Ende nehmen wollte – war der Klassiker des afroamerikanischen Musikers Marvin Gaye „I heard it through the grapevine“. Jetzt ging auch Lorenza an das Gesangsmikrofon und performte mit der Unterstützung von Frank Heerwig, Johannes Vogt, Sven Tasch, Robert Fiedler, Cyrill Raabe, Sebastian Nentwich und Daniel Diegmann den Song.
(Zugabe2): Depeche Mode: Good Night Lovers:
Mit einem ruhigen Song von Depeche Mode wurden die Zuschauer in die Nacht entlassen. Ein Song für alle Liebenden. Ich hoffe er hat ein wenig gewirkt. Danke auch an den Birkunger Jugendchor der spontan als Backroundchor einsprang.
Filmvorführung: „Die vergessenen Kinder Westnepals“: Eine weitere Besonderheit dieses Jahres war eine im Anschluss an den Akustikabend stattfindende Filmvorführung. In Zusammenarbeit mit der Govinda Entwicklungshilfe präsentierten wir am folgenden Sonntag den Film der Filmemacherin Christina Vogt: Die vergessenen Kinder Westnepals. Worum geht es in dem Film?
Im Shangrila Waisenhaus in Kathmandu/Nepal leben 52 Waisenkinder. Einige von ihnen kommen aus dem entlegenen Westnepal. Seit Jahren wünschen sie sich, wieder einmal ihre Heimat zu besuchen: die schwer erreichbaren und vergessenen Bergdörfer im West-Himalaya. Im April 2007, nach mehr als sechs Jahren, begibt sich eine Gruppe von Schulkindern in den Ferien auf eine Reise in ihre Vergangenheit. Auf einer mehrtägigen Wanderung durch die Karnali Zone, der ärmsten Region im Westen Nepals, besuchen sie die Dörfer, in der sie ihre früheste Kindheit verbrachten. Die Begegnung mit verbliebenen Angehörigen wird zu einer Begegnung mit der eigenen schwierigen Vergangenheit.
Wir danken allen Interessierten für ihr kommen!
Resümee „der achte Akustikabend“: Der achte Akustikabend konnte laut Zuschauermeinungen wieder einen draufsetzten. Die neue Räumlichkeit, das Licht und das vielseitige Programm - alles kam bei den Gästen und Musikern unglaublich gut an. Außerdem konnten wir mit 450 Besuchern einen neuen Zuschauerrekord verzeichnen und mussten drei Wochen vor der Veranstaltung die Reservierung schließen. Ein Dankeschön geht an die vielen, vielen Helfer die diesen Abend ermöglicht haben und die vielen Zuschauer die sich für unseren Abend interessieren. Nur durch sie ist der Akustikabend der Akustikabend!
Wir freuen uns auf den Neunten 2008.
Der art.tack global e.V.